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03 | 2024
10/23
© Canva

Autonom unterwegs

Noch ist autonomes Fahren Zukunftsmusik. Im Bremer Forschungszentrum TOPAS wird fleißig daran gearbeitet, dass dies irgendwann möglich ist.

Den Kopf frei haben für die Notizen zur anstehenden Besprechung oder während eines wichtigen Telefonats hochkonzentriert die Unterlagen durchgehen? Während des Autofahrens ist dies keine gute Idee – es sei denn, der Wagen bewegt sich wie von Geisterhand. Da schiebt man sich Meter für Meter im Stau vorwärts und ist dabei noch richtig produktiv? Zu schön, um wahr zu sein. „Es wird leider wirklich noch lange dauern, bis so etwas möglich ist“, sagt Dr. Mitja Echim. „Immerhin ist es ein sehr komplexes Thema. Das gilt sogar für China und die USA: Auch wenn man dort schon viel weiter ist, ist es noch ein langer Weg, bis sich Autos oder Busse völlig autonom auf der Straße bewegen können.“ Der Industriemathematiker und Co-Founder von TOPAS, dem Transferzentrum für optimierte, assistierte, hoch-automatisierte sowie autonome Systeme, ist seit vielen Jahren in einer Forschungsgruppe an der Bremer Universität aktiv, die sich mit angewandter Mathematik beschäftigt. „Mir war es wichtig, verstärkt in die Richtung des autonomen Fahrens zu gehen und zu sehen, welche Algorithmen umsetzbar sind.“

Ein alter Passat als Testwagen

Im Jahr 2021 ging TOPAS aus diesem Fachbereich durch eine Förderung des europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) hervor. Begleitet wurde dies durch die InnoWi mit einen sogenannten IP-Scan und auch bei der Anmeldung einer Marke. Doch bereits 2016 gab es erste Projekte. „Damals haben wir einen alten Passat gekauft und hinten im Kofferraum mit allerlei Technik und Sensoren ausgestattet“, so Dr. Mitja Echim. Erste Einsätze für den Wagen gab es 2019 im Technologiepark. „Das ist ein überschaubares Terrain. Seit Mai 2017 dürfen wir mit einer Sondergenehmigung in Bremen auch am öffentlichen Verkehr teilnehmen, allerdings mit hohen Sicherheitsvorkehrungen.“ 

Gleich zwei Menschen sind dafür verantwortlich, dass das aktuell maximal 30 Km/h schnelle Fahrzeug niemanden gefährdet: Einer befindet sich auf dem Fahrersitz und kann bei Bedarf ins Steuer greifen, ein anderer überwacht auf der Rückbank die Software, um gegebenenfalls Befehle zu korrigieren oder zu ergänzen. Noch viele Schritte sind notwendig, bis ein solches Fahrzeug auch ohne menschliche Aufsicht im Wagen unterwegs sein kann. „Maßgeblich ist hier die intelligente Entwicklung der Software. Sie müssen in Echtzeit Sensordaten verarbeiten und reagieren, also interpretieren, ausweichen oder anhalten. Da ist es ganz egal, ob es sich um Autos, Busse oder Drohnen handelt.“ Übrigens wurde der Testfuhrpark von TOPAS mittlerweile um zwei Busse ergänzt, nämlich um einen Minibus für bis zu fünf Personen und einen Shuttlebus für bis zu neun Personen, bislang allerdings noch ohne Genehmigung für den öffentlichen Straßenverkehr.

Vielfältige Einsatzmöglichkeiten

Natürlich soll autonomes Fahren nicht nur Bequemlichkeit und Effektivität dienen. „Man könnte beispielsweise autonome Feuerwehrroboter bei Wald- oder Moorbränden losschicken“, sagt Mita Echim. „Oder im Sinne von nachhaltiger Mobilität den ÖPNV stärken. Viele Menschen nutzen häufig nicht den Bus, weil dann immer noch zwei Kilometer von der Station nach Hause fehlen.“ Das ist nachvollziehbar: Ist man beispielsweise nach dem Wocheneinkauf vollbepackt, so fehlt hier der Transport für die letzte Wegstrecke. „Ich denke, wenn dies gewährleistet wäre, würden mehr Menschen auf ihr Auto verzichten.“ Oder aber umweltschonender Individualverkehr – wenn man noch ein bisschen weiter in die Zukunft träumt. „Beispielsweise wenn autonome Quartiers-Shuttle am Morgen die Berufstätigen zur nächsten ÖPNV-Haltestelle bringen, am Vormittag die älteren Bewohner für Erledigungen zum Supermarkt oder zum Arzt oder zur Apotheke fahren und dann am frühen Abend die Berufstätigen wieder nach Hause bringen.“ Auch für den ÖPNV im ländlichen Bereich wäre es ein Segen, gerade weil das Fehlen qualifizierten Personals zunehmend zum Problem wird. Ebenfalls ließe sich die allgemeine Versorgung damit bewerkstelligen, beispielsweise der rollende Lieferservice, die Apotheke oder ein Tante Emma-Laden auf Rädern. „Da könnte man über ganz neue Konstellationen nachdenken.

Vorbild Amerika?

In den USA ist die Entwicklung des autonomen Fahrens bereits weiter fortgeschritten. „Waymo ist dort ein Vorreiter“, sagt Mitja Echim, der selbst im Februar dieses Jahres mehrmals mit dem autonomen Taxi in San Francisco unterwegs war. „Als Google-Tochter werden darin Milliarden investiert, das ist ein ganz anderes Thema. Es werden allerdings auch immer noch zwei bis drei Personen zur Überwachung beschäftigt – also weit entfernt von Wirtschaftlichkeit Ich würde mich sehr freuen, wenn so etwas auch hier irgendwann der Fall wäre. Allerdings ist die Innovationslandschaft in den USA eine ganz andere. Dort testet man beispielsweise mehr im öffentlichen Raum. Und wenn etwas schiefgeht, dann wird eben nachgebessert und man probiert es einfach weiter.“


Über TOPAS

Zwei Standbeine lassen sich mit TOPAS, dem Transferzentrum für optimierte, assistierte, hoch-automatisierte sowie autonome Systeme, verbinden:

Das Forschungszentrum außerhalb der Universität
Aufgabe hier ist, diverse Algorithmen mit Hilfe von Unternehmen in die Praxis zu überführen.

Die kommerzielle GmbH
Sie bietet individuelle Softwarelösungen für Unternehmen.

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Von Melanie Jülisch